Die K-Frage

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Die Kartografie hat eine lange Geschichte in der Menschheitskultur, und Karten haben und hatten verschiedene Ziele und Einsatzbereiche. Manche sind ganz einfach praktischer natur, andere moralisch eher fragwürdig. Karten können:

  • Den Weg zeigen mit Angabe von Etappen und Distanzen sowie Unterkünften. Das muss vor allem praktisch sein, und nicht zwingend topografisch korrekt.
  • Besitzverhältnisse klären für die Verwaltung – damit sich kein Bauer mit dem Nachbarn streitet und Steuern berechnet werden können. Dabei kommen dann zusätzlich Grenzmarkierungen und Zeugen zum Einsatz.
  • Land- und Seewege für Händler und Entdecker markieren. Hier sind die historischen Portolan-Karten zur marinen Navigation zu erwähnen, die im Prinzip nichts als Häfen und Küstenlinien anzeigen, garniert mit fantasievollen Meeresmonstern.
  • Gebietsansprüche illustrieren. Diese müssen mit der Realität von Gemeinschaften nichts zu tun haben, ganze Staaten wurden in jüngerer Vergangenheit am Reißbrett geschaffen, mit oft verhängnisvollen Folgen.
  • Propaganda für Macht und Einfluss oder politische und religiöse Weltanschauungen machen.
  • Die durch die Weiterentwicklung der Vermessungsgechnik mögliche gewordene genaue topografische Karte zur Erfassung der Realität kam erst recht spät in der Historie auf. Sie kann als verlässliche Basis für alles mögliche dienen. Zum Beispiel als:
  • Themenkarte zu wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Themen
  • Sich in großen Städten zurechtfinden helfen, die sich ja bekanntlich zum Zentrum hin immer dichter zusammen ballen. Dies versucht z.B. die besondere Darstellung des Falkplans zu entzerren.
  • Den Raum zeigen, in dem man sich befindet. Dies beginnt mit der Erdkugel und endet (vermutlich) beim (ebenso vermutlich) unendlichen Universum.
  • Erziehen. Madeleine de Scudéry verzeichnete im 17. Jahrhundert in ihrem Roman "Clélie" zum Beispiel eine Karte zur Liebe, natürlich mit ihrer eigenen Vorstellung vom Weg dahin.
  • Lehren. Historische oder geografische Begebenheiten können selbstredend am besten mithilfe einer Landkarte vermittelt werden, aber auch eine Lernwegvisualisierung macht pädagogisch Sinn.
  • Unterhalten: Die Landkarten von Fantasiereichen wie in "Der Herr der Ringe" oder "Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär" haben inzwischen Kultstatus, genauso wie Spielbretter von "Risiko" & Co. In manchen riesigen virtuellen Games-Welten kommt man nicht ohne Atlas zurecht.
  • Und schlussendlich ganz allgemein Abstraktes visualisieren. Zum Beispiel unser Gehirn, unsere Wahrnehmungswelten und vieles mehr.

Eine Frage der Möglichkeiten

Technische Möglichkeiten und der Zeitgeist spielten bei der Umsetzung von Landkarten immer eine Rolle. Zum Beispiel, als es noch keinen Kompass gab. Welchen Grund sollte man - ohne das Wissen um den magnetischen Nordpol - haben, eine Landkarte einzunorden? Richtig, gar keinen, und so standen andere Belange im Vordergrund: Arabische Karten waren zum Beispiel nach Süden ausgerichtet, mit Mekka im Mittelpunkt, christliche Karten nach Osten mit Jerusalem im Mittelpunkt.

Die Landkarten wurden auf jedem denkbaren Medium umgesetzt: Von Fels über Tontäfelchen, Papyrus, Pergament und Papier bis zu ihrer heutigen digitalen Form. Besonders die Erfindung des Buchdrucks erleichterte die Verbreitung von Landkarten deutlich - anfangs noch einfarbig und handkoloriert, später im Vierfarbdruck.

Auch bei der Genauigkeit der Umsetzung gab es horrende Schwankungen. Der Grieche Ptolemäus ersann zwar um die Zeitenwende herum schon eine recht zuverlässige Vermessungstechnik, diese ging aber wie vieles im Mittelalter verloren. Im christlichen Abendland stand lange Zeit das Aufrechterhalten eines von der Kirche vorgegebenen Weltbildes im Vordergrund, die daraus entstehenden Karten kann man allenfalls als schematisch bezeichnen. Dies änderte sich mit Beginn der Neuzeit, und die Geodäsie wurde schnell eine bedeutende Wissenschaft. Inzwischen liefern uns Satellitenbiler, ausgeklügelte mathematische Modelle und modernste Vermessungsmethoden ein genauestes Bild unserer Erde und des Universums, in dem wir leben.

Ein Grundproblem bleibt jedoch: wie einen dreidimensionalen Körper, genauer eine abgeplättete Kugel, auf ein zweidimensionales Papier bringen? Dieser Aufgabe wurde in der Vergangenheit auf vielfältige Weise begegnet, heute helfen rechnergestützte Projektionen dabei, Messdaten, Kameraverzerrung von Luft- und Satellitenbildern und die topografische Wirklichkeit in Einklang zu bringen.

Satellitensysteme wie GPS und GALILEO füttern Navigationssysteme mit Daten, interaktive Karten eröffnen neue Möglichkeiten, und mit dem OpenStreetMap Projekt ist die Kartografie keine exklusive Tätigkeit mehr sondern liegt in den Händen von Vielen. Sie wurde sozusagen demokratisch. Dennoch werden Landkarten auf Papier weiterhin ihren Reiz und ihren Zweck haben, ob von der realen Welt oder von Fantasiereichen.

Illustratorin Martina Nowak

Martina Nowak . September 2020

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